Blogbeitrag

11 | 01 | 2009

Qype: Kunstwerkstatt Rainer Wortmeier in Gütersloh

Geschrieben von um 21:14 Uhr

Guetersloh

Mitten in Gütersloh unmittelbar neben dem Evangelisch Stiftischen Gymnasium und nur wenige Schritte von der Stadthalle entfernt liegt in der Feldstraße 19 das kleine Anwesen von Frau Kiel. Inzwischen unter Denkmal-/Ensembleschutz diente das Fachwerkhaus aus der Mitte des 19. Jahrhunderts seit ca. 1900 für einige Zeit als Bäckerei.

Auf den ersten Blick scheint die Zeit hier stehengeblieben zu sein. Das Bild passt nicht recht in die Umgebung. Das Zentrum der Kreisstadt, Sitz von Bertelsmann und Miele, ist geprägt von Geschäften und Geschäftigkeit. Ein Kleinod wie dieses wirkt an dieser Stelle ein wenig verwunschen, quasi im Dornröschenschlaf.

Aber Frau Kiel ist nicht stehengeblieben. Sie hat Sinn für Kunst und Sympathie für Künstler und sie hat ihr/ihnen einen Raum gegeben, um genau zu sein gleich zwei.
Im Vorderhaus, im Laden der ehemaligen Bäckerei, beherbergt sie die Ausstellung der Künstlergruppe „Art Colori“ deren Mitglied auch Rainer Wortmeier ist, der außerdem im Hinterhof mit einer Kombination aus Atelier, Werkstatt und Galerie eigenständig auftritt.

Man erreicht das ehemalige Kohlenhaus des Anwesens durch das kleine Hoftor zwischen einem hübschen Bauerngarten und dem Fenster der Galerie „Art Colori“.

Der gelernte Maurer, künstlerische Autodidakt und vor allem kreative Individualist Wortmeier hat 2002 den verwahrlosten Schuppen eine moderne Werkstatt verwandelt, die zu dem Fachwerkensemble trefflich kontrastiert und es um eine funkelnde Facette bereichert.

Seine Arbeit umfasst vor allem zwei Themenschwerpunkte:
Die Bildinstallationen bzw. -montagen auf der einen Seite – so genannt, weil sie keine Malerei im eigentlichen Sinn sind. Auf großformatigen Platten werden stählerne Gussreste (z.T. vergoldet, polierte Edelstahlkugeln, große, rohe Kristalle, farbige Gießharze (u.a. das Glasgranulat durchsetzte Material der Begrenzungsstreifen aus dem Straßenbau), geflämmte Hart- oder Bauschäume und viele andere Materialien grafisch-plastisch zu Collagen gefügt, die unter anderem das Thema organischer Zellen und deren Reproduktion visualisieren.

Dem gegenüber stellt Rainer Wortmeier tonnenschwere Skulpturen aus Sandstein- oder Granitblöcken, Findlingen, Maschinenteilen, Rohglasklumpen u.v.m., die er bisher fast ohne fremde Finanzierung beschafft, bewegt und durch zum Beispiel notwendige Kernbohrungen mit Spezialwerkzeugen bearbeitet. „Neubürger“ oder „Courage“ nennt er diese Arbeiten.

Ein von einem benachbarten Gewerbeverein finanziertes öffentliches Projekt, drei bis zu 2,50 Meter hohe Eier aus verspachteltem Gasbeton, ist nicht mehr zu sehen. Es war von vornherein als temporäre Installation auf dem naheliegenden Dreiecksplatz geplant und ist längst wieder demontiert worden.

Es ist ein magischer Ort dort im Herzen Güterslohs und der charismatische Rainer Wortmeier versteht es, diese Magie zu befeuern, denn er ist, anders als viele seiner Künstlerkollegen, kein schweigsamer Eremit, sondern vermittelt zwischen sich, seiner Arbeit und dem Betrachter. Er lässt niemanden allein mit seinem Werk, denn jedes einzelne, ja jeder einzelne Bestandteil, wird geschwängert mit Geschichte und Geschichten, die wiederum neue Perspektiven auf sein ungewöhnliche Œuvre eröffnen.

Da Rainer Wortmeier keine regelmäßigen Werkstatt- bzw. Besuchszeiten anbietet, empfiehlt es sich, mit ihm telefonisch einen Besichtigungstermin auszumachen.

Ohne Voranmeldung kann man die Kunstwerkstatt anlässlich der „Langen Nacht der Kunst“ besuchen, die jedes Jahr im Mai stattfindet.

Mein Beitrag zu Kunstwerkstatt Rainer Wortmeier – Ich bin RalfNeuhaeuser – auf Qype

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Kategorie » Gütersloh, Heimatlos «

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