Blogbeitrag

02 | 07 | 2011

Ausstellung „Container Architektur“, NRW-Forum, Düsseldorf

Geschrieben von um 16:46 Uhr

ISO Shipping Container by viper9x¹ (CC-lizensiert²)

ISO Shipping Container by viper9x¹ (CC-lizensiert²)

Gestern endlich hatte ich die Gelegenheit, mir die aktuelle Ausstellung Container Architektur (Facebook Album) im Düsseldorfer NRW-Forum (Friday Night Angebot: offen bis 24 Uhr, ermäßigter Eintrittspreis, kostenlose Führung um 20 Uhr) anzusehen.

Ganz neu war mir das Thema alternativer und ggf. mobiler Raum- bzw. Wohnkonzepte ª nicht, für die ich mich schon seit einigen Jahren interessiere und sie wenigstens an einigen Wochenenden im Jahr auch selbst (er-)lebe.

Dennoch war ich begeistert von den vielfältigen Möglichkeiten, die die genormten ISO-Container, die seit mehr 50 Jahren das Gesicht der großen Seehäfen und des gesamten Transportwesens verändern, als modulares Baukastensystem bieten – zur Verwendung als Lazarett, (Not-)Unterkunft, Strand-, Garten-, Tee- oder Wohnhaus, Brücke, Aussichtsturm, Ausstellungs- oder Verkaufsraum, Studentenwohnheim bis hin zur Gestaltung repräsentativer Flagship-Stores und Villen oder gar ganzer Stadtteile.

Mehr als 20 detaillierte Modelle im Maßstab 1:5 und eine große Menge an Konstruktionsplänen, Skizzen, Computer-Grafiken und Fotos zeigten einen guten Querschnitt der, im doppelten Sinne des Wortes, „inhaltlichen“ Umwidmung dieser extrem zweckunterworfenen Massenbehälter an der Grenze zwischen Objekt und Architektur.

Zwei Aspekte haben mir allerdings sehr gefehlt:

Container Architektur als Symptom urbaner Nomadisierung und des steigenden Bedarfes an Notlösungen für Krisensituationen

Vermisst habe ich die kritische Auseinandersetzung mit durch gesellschaftliche Veränderungen, wirtschaftlichen oder räumlichen Notlagen (z.B. durch verfehlte Stadtplanungen) oder Krisen wie Naturkatastrophen oftmals erzwungenen Situtationen, sich mit geringem Raumangebot oder unfreiwilligem Nomadentum arrangieren zu müssen. Gezeigt wurde fast ausschließlich die ästhetische Facette dieser relativ jungen Architekturform.

Selbst zu erfahrendes Raumerlebnis

Ganz und gar bedauerlich empfand ich aber vor allem das völlige Fehlen wenigstens eines einzigen, begehbaren Containers in Originalgröße, um das Raumgefühl für die maßstabsverkleinerten Modelle entwicklen zu können.

Mein Vorschlag dazu:
Eins der kleineren Exponate hätte im Original in dem kleinen Park vor dem NRW-Forum (Google Maps, Wikipedia) platziert werden können oder, vielleicht noch besser für das initiale Erlebnis, ein einzelner Container hätte, vorn und hinten geöffnet und schräg mit einem Ende auf dem Treppenabsatz vor dem Haupteingang abgelegt, als zu durchschreitende Zugangsrampe dienen können – ähnlich dem ebenfalls als Modell ausgestellten Brückenobjekt hoorn bridge (1990) von Luc Deleu.

Der gezeigten, naturgemäß begrenzten und subjektiven Auswahl der Exponate sind leider außerdem einige spannende Beispiele zum Opfer gefallen wie z.B. das Illy Push Button House von Adam Kalkin, dessen Quik House aber zumindest fotografisch vertreten war.

Der Besuch der Ausstellung hat sich dennoch in jedem Fall gelohnt. Wer als Kind schon gerne mit Lego gespielt hat, wird auch an diesen 20 bzw. 40 Fuß langen Bauklötzen seine Freude finden.
Alles in allem ein gelungenes, wenn auch nicht in allen Punkten optimales Architekturerlebnis.

Mehr:
Die Menschen hinter der Ausstellung und 2 Eindrücke im Blog des NRW-Forum: Containerhouse Zwitterwesen & Previewführung

¹ Bildquelle: Benutzer viper9x auf Deviantart.com
² Creative Commons Attribution-Noncommercial-No Derivative Works 3.0 License

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Kommentare: 2

  1. 1

    Ulrike Zecher 03.07.2011 um 20:35 Uhr

    Ralf, Klasse recherchiert! Diese spannende Ausstellung macht Mut auf preiswerte, mobile und kreative Lebensformen – hoffentlich nicht nur in den Niederlanden, sondern auch bald in Deutschland! Und bei liebevoller Pflege hält ein Container nicht nur 15 Jahre! – Ralf, ja ein Original-Container fehlte wirklich in der Ausstellung, hätte wirklich gerne das Container-Gefühl auch einmal getestet. Schade, ansonsten immer wieder gerne ins Nrw-Forum Düsseldorf.

  2. 2

    dave 23.08.2011 um 19:28 Uhr

    Die fahrt von Berlin hat sich da echt gelohnt. Das hier fand ich am tollsten

    http://twotimestwentyfeet.com/p/hilfiger_s2010

    war nur eine tafel, aber ist ein tolles teil und sogar in deutschland